All the Devils Are Here
Du lernst, aus komplizierten Fakten eine Sogwirkung zu bauen, und verstehst danach glasklar, wie McLean und Nocera mit Ursachenketten, Schuldfragen und Szenen-Ökonomie Spannung erzeugen.
Buchzusammenfassung & Analyse
Buchzusammenfassung und Schreibanalyse zu All the Devils Are Here von Bethany McLean.
Wenn du dieses Buch naiv nachahmst, schreibst du wahrscheinlich eine saubere Chronologie. Genau das tun McLean und Nocera nicht. Sie bauen eine Anklage, die sich wie ein Thriller liest: Eine zentrale Frage treibt alles an, nämlich wer die Finanzkrise wirklich möglich gemacht hat, lange bevor die Öffentlichkeit sie „Krise“ nennt. Der Motor heißt nicht „was passiert“, sondern „welche Entscheidung öffnet als nächste die Schleuse“.
Als Hauptfigur fungiert kein einzelner Mensch, sondern ein Ermittlungsblick: die Autorenstimme, die dir verspricht, die Täuschungen zu entwirren. Diese Stimme handelt wie eine Figur mit Haltung und Methode. Die wichtigste gegnerische Kraft bildet ein System aus Anreizen, institutioneller Feigheit und organisiertem Wegsehen: Banken, Ratingagenturen, Aufseher, Politik, alle verknüpft durch die gemeinsame Fähigkeit, Risiko als Produkt zu verkaufen und Verantwortung zu verdünnen.
Das auslösende Ereignis liegt nicht im Knall von 2008, sondern in einer früheren, konkreten Weichenstellung: der politischen und regulatorischen Entscheidung, Kredit auszuweiten, Regeln zu lockern und das Shadow-Banking wachsen zu lassen, während niemand die Gesamtkonstruktion verantwortet. Das Buch behandelt diese Weichen nicht als Hintergrund, sondern als Szenen mit handelnden Personen, Sitzungen, Deals, internen Logiken. Du siehst: Ein System kippt, weil einzelne Menschen in Meetings „vernünftige“ Sätze sagen und damit ein neues Normal setzen.
Die Einsätze eskalieren über Struktur, nicht über Lautstärke. Jeder Abschnitt nimmt dir eine Ausrede weg. Erst wirkt vieles wie ambitionierte Finanzinnovation, dann wie fragwürdige Praxis, dann wie massenhaftes Wegorganisieren von Risiko, schließlich wie ein Angriff auf die Stabilität ganzer Haushalte und Staaten. Das Buch steigert, indem es Ketten verlängert: Hypothek, Verbriefung, Bewertung, Verkauf, Absicherung, Bilanztrick, politischer Schutz. Jede neue Verbindung macht aus einem Problem ein systemisches.
Schauplatz und Zeit verankern das Ganze hart: USA in den 1990ern und 2000ern, Wall Street, Washington, Aufsichtsbehörden, Vorstandsetagen, Ratingbüros, dazu Europa als Echo und Verstärker. Diese Konkretion schützt den Text vor dem typischen Sachbuchfehler, nur „die Märkte“ als Wolke zu beschwören. Namen, Orte, Institutionen treten als Requisiten auf, die du anfassen kannst.
Die Struktur arbeitet mit wechselnden Perspektiven, aber nie beliebig. McLean und Nocera setzen Figuren als Linsen ein: Entscheider, Verkäufer, Ideologen, Regulierer. Das hält die Kausalität lebendig, weil du Entscheidungen in Echtzeit spürst. Und es verhindert den bequemen Bösewicht. Der Gegner bleibt ein Geflecht, das sich ständig tarnt: mal als Wohltat („mehr Eigentum“), mal als Technik („neue Modelle“), mal als Patriotismus („Wachstum“).
Der häufigste Fehler beim Nachahmen: Du glaubst, du musst alles erklären. Dieses Buch zeigt das Gegenteil. Es erklärt nur so viel, wie die aktuelle Kette braucht, und drückt dann sofort wieder auf Konsequenz. Du sollst nie lange im Lehrbuch sitzen. Du sollst beobachten, wie eine Entscheidung die nächste erzwingt, und wie die Summe aus „kleinen“ Zustimmungen eine Katastrophe baut.
Handlungsstruktur & Erzählbogen
Handlungsstruktur und emotionaler Bogen in All the Devils Are Here.
Die emotionale Gesamttrajektorie verläuft von kontrollierter Aufklärung zu ernüchterter Klarheit. Am Anfang steht das Gefühl, mit genug Recherche ließe sich der Skandal sauber auflösen und einzelnen Schuldigen zuordnen. Am Ende bleibt eine kühlere, härtere Einsicht: Das System produziert „vernünftige“ Entscheidungen, die zusammen unvermeidlich ruinös wirken.
Die stärksten Stimmungswechsel entstehen, wenn das Buch dir zuerst eine plausible Geschichte anbietet und sie dann mit einer präzisen Verbindung sprengt. Höhepunkte wirken wie kurze Momente von Durchblick, wenn eine Kette plötzlich vollständig wird. Tiefpunkte schlagen zu, wenn Verantwortung sich in Zuständigkeiten auflöst und jede Institution ein Argument findet, warum sie nicht zuständig sei. So kippt Neugier in Wut und Wut in Resignation, ohne dass der Text melodramatisch wird.

Stell dir das für deinen Entwurf vor.
Ein Lektor, der deinen Text liest und dir genau sagt, was funktioniert, was noch nicht sitzt und wie du es verbesserst – ohne deine Stimme zu verlieren.
Keine Kreditkarte. Kein Spam. Wir respektieren deine Privatsphäre.Schreiblektionen aus All the Devils Are Here
Was Schreibende von Bethany McLean in All the Devils Are Here lernen können.
Du liest dieses Buch nicht wegen „Fakten“, sondern wegen der Art, wie es Fakten in Zwangsläufigkeit verwandelt. McLean und Nocera schreiben in Ketten. Jede Behauptung hängt an einer Entscheidung, jeder Entscheidung folgt eine konkrete Folge, und diese Folge schafft die nächste Versuchung. So entsteht Spannung ohne erfundene Cliffhanger. Als Schreibende:r lernst du hier den Unterschied zwischen einer Liste von Ereignissen und einer Mechanik, die Ereignisse produziert.
Achte auf die Stimme: Sie klingt nicht allwissend, sondern prüfend. Sie stellt implizite Fragen, beantwortet sie sofort mit belegbaren Details und schiebt dann die nächste Frage nach. Dieser Rhythmus ersetzt den klassischen Plot. Du spürst, wie der Text denkt. Viele moderne Sachbücher wählen stattdessen die Abkürzung über Empörung oder Thesen-Branding. Das hier wirkt stärker, weil es dir die Empörung erst am Ende erlaubt, wenn du die Kette verstanden hast.
Die Figurenführung funktioniert über Rollen und wiederkehrende Konflikte, nicht über Psychologisieren. Entscheider treten auf, wenn ihre Unterschrift zählt; Verkäufer, wenn ein Produkt eine neue Maske bekommt; Aufseher, wenn Wegsehen zur Entscheidung wird. Wo Dialog oder direkte Interaktion auftaucht, zählt nicht „Witz“, sondern Macht. Gespräche in Sitzungen, Anhörungen oder internen Runden zeigen, wie Sprache Risiko umlabelt. Du kannst diese Technik auf jeden Stoff übertragen: Lass Figuren nicht reden, um zu klingen, sondern um zu handeln.
Die Schauplätze dienen als Beweisführung. Wall Street und Washington erscheinen nicht als Kulisse, sondern als Orte mit eigenen Reflexen: Konferenzräume, in denen Modelle Autorität ersetzen; Behördenflure, in denen Zuständigkeit zur Tarnkappe wird. Das Buch baut Atmosphäre durch Prozess, nicht durch Dekoration. Und es vermeidet die verbreitete Vereinfachung „ein Bösewicht, eine Ursache“. Stattdessen zeigt es, wie ein System aus vielen kleinen Ja-Sätzen ein großes Nein zur Realität bildet.
So schreiben Sie wie Bethany McLean
Schreibtipps inspiriert von Bethany McLeans All the Devils Are Here.
Halte deinen Ton unter Spannung, nicht unter Lautstärke. Du musst nicht wütend schreiben, um Wut auszulösen. Schreib so, als würdest du Beweise auf einen Tisch legen und dabei jedes Mal prüfen, ob der nächste Gegen-Einwand standhält. Streiche Adjektive, die urteilen, und ersetze sie durch Verben, die handeln lassen. Wenn du eine Behauptung machst, knüpfe sie sofort an eine Entscheidung, einen Ort, eine Regel, eine Zahl oder eine Szene. So entsteht Autorität, ohne dass du sie behauptest.
Baue deine Figuren wie Werkzeuge, nicht wie Steckbriefe. Gib ihnen eine Funktion im System, ein Ziel, das sie in einem konkreten Moment verfolgen, und eine Begründung, die sich für sie selbst sauber anhört. Zeig Entwicklung nicht als Bekenntnis, sondern als Verschiebung dessen, was sie für „normal“ halten. Lass deine zentrale Gegnerschaft nicht als Person auftreten, wenn dein Stoff eigentlich ein Geflecht meint. Du brauchst wiederkehrende Akteure, aber du brauchst vor allem wiederkehrende Entscheidungsmuster.
Vermeide die typische Genre-Falle des Erklär-Sumpfs. Viele schreiben über komplexe Themen, indem sie erst erklären und dann erzählen. Das tötet Zug. Mach es umgekehrt: Lass eine Entscheidung passieren, dann erkläre nur das Minimum, das du brauchst, um die Konsequenz zu verstehen, und kehr sofort zur Kette zurück. Widerstehe auch der Versuchung, die Moral voranzustellen. Wenn du zu früh wertest, nimmst du dir die Möglichkeit, Leser:innen selbst die Unvermeidlichkeit fühlen zu lassen.
Übe die Mechanik als Ketten-Szene. Nimm ein Ereignis aus deinem Stoff und schreibe es als Folge von fünf Entscheidungen in fünf Räumen. Jede Entscheidung muss auf eine konkrete Einschränkung reagieren, Zeitdruck, Bonus, Angst, Karriere, Gesetz, öffentliche Erwartung. Nach jeder Entscheidung schreibst du zwei Sätze: Was gewinnt die Figur sofort, und welches Risiko schiebt sie weiter. Am Ende schreibst du einen sechsten Raum, in dem jemand die Rechnung präsentiert. Wenn du das sauber kannst, trägt dein Text sich fast von selbst.
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Dario Keller
Schreibberater für Sachbuch & EssayIch bin in Biel aufgewachsen, zwischen zwei Sprachen, aber mit einer Familie, die lieber Dinge richtig machte als sie schön zu erzählen. In der Werkstatt meines Vaters galt: Wenn du sagst, etwas hält, dann hält es. Genau so lese ich Non fiction: Ich will spüren, dass du weisst, was du behauptest, und dass du bereit bist, den Preis zu zahlen – Beispiele, Grenzen, Gegenargumente, Schlussfolgerungen. Ich lese dein Manuskript wie ein vertrauter Erstleser, der dich mag, aber nicht so fest, dass er dir Ausreden kauft. Nach der Schule bin ich nicht „ins Schreiben“ gegangen. Ich habe erst in einem Versicherungsbüro gearbeitet: nahe, sicher, Lohn. Dort habe ich gelernt, wie Leute sich in Sprache verstecken: Passiv, Nebelwörter, Sätze, die so tun, als wären sie Fakten. Das war nicht mein Traumjob, aber er hat mir ein Radar gegeben. Seitdem kann ich schlecht so tun, als wäre eine vage Formulierung nur Stil – für mich ist sie oft ein Loch in der Logik. Und ja: Ich habe eine unfaire Schwäche für harte Kanten. Wenn ein Text zu nett wird, werde ich schneller misstrauisch, als ich es müsste. Später habe ich nebenbei für eine kleine Fachzeitschrift Texte gegengelesen, erst nur als Aushilfe. Dann kamen Essays, dann längere Stücke, und plötzlich sass ich in Redaktionsrunden, ohne dass das je geplant war. Ich habe gemerkt: Ich habe weniger Freude daran, selbst zu glänzen, als anderen beim Schärfen zuzusehen. Reportagen habe ich versucht; ich war nicht schlecht, aber ich war nicht geduldig genug mit Menschen, die ausweichen. Diese Eigenschaft halte ich im Griff, aber ich will sie nicht verlieren. Heute arbeite ich vor allem an Sachbüchern, langen Essays und argumentativen Non-fiction-Manuskripten. Ich höre aus deinem Text heraus, wo du dich selbst schützt: wo du andeutest statt setzt, oder wo ein Beispiel nur dazu dient, eine These nicht festnageln zu müssen. Gleichzeitig trage ich eine alte, hässliche Idee mit mir herum: dass ein „ernster“ Text trocken sein müsse. Ich glaube das nicht mehr als Regel, aber ich merke, wie ich bei sehr persönlichem Schreiben härter prüfe, ob dein Ich wirklich eine Funktion im Argument hat oder nur Polster ist. Diese Skepsis lasse ich drin, weil sie mich zwingt, Belege und Funktion zu verlangen – nicht nur Stimmung.

Elfriede Kogler
Stillektorin & Schreibberaterin für Sachbuch und EssaysIch bin in einer Wohnung über einer Werkstatt groß geworden, mit dem ständigen Geräusch von Werkzeug und Radio im Hintergrund. Bei uns daheim wurden Dinge repariert, nicht ersetzt, und so hab ich früh gelernt, an Texten nicht herumzudekorieren, sondern sie wieder funktionstüchtig zu machen. Ich hab als Teenager viel Tagebuch geschrieben, aber ich hab mich dabei oft dabei ertappt, dass ich die Wahrheit in hübsche Sätze eingepackt hab, damit sie weniger wehtut. Das ist mir geblieben: Ich merke schnell, wenn ein Satz nicht dem Gedanken dient, sondern dem Schutz. Studiert hab ich nicht aus einem Plan heraus, eher aus Bequemlichkeit und weil ich nicht wusste, wohin sonst. Ich bin bei Germanistik gelandet, hab nebenbei in einer kleinen Regionalzeitung Korrektur gelesen und dann plötzlich mehr Texte gesehen als mir lieb war: Vereinsmeldungen, Nachrufe, Inserat-Deutsch. Dort hab ich mir angewöhnt, auf Rhythmus zu hören, auch wenn’s „nur“ Sachtext ist. Wenn ein Absatz stottert, wird der Inhalt nicht geglaubt, egal wie richtig er ist. Eine Sache passt nicht sauber in meine heutige Arbeitsweise, aber sie gehört zu mir: Ich habe jahrelang eine Abneigung gegen Anglizismen gepflegt, fast als wär das eine moralische Frage. Ich verteidige das nicht, und ich predige es auch niemandem, aber ich spür’s noch immer im Bauch, wenn ein Text mit Fachwörtern aus dem Englischen auftrumpft. Manchmal muss ich mich entscheiden, ob ich dem Bauch folge oder dem Manuskript. Und ich entscheide mich nicht immer „modern“. In den letzten Jahren hab ich viel an Essays, Ratgeberkapiteln und erzählender Non fiction gearbeitet, oft für Leute, die in ihrem Gebiet brillant sind, aber beim Schreiben unsicher werden. Ich bin nicht die Person, die dich für jeden Satz streichelt. Ich bin die, die dir zeigt, wo du dich hinter Floskeln versteckst, und die dir dann hilft, den Satz so zu bauen, dass er dich trägt. Ich bleib absichtlich hartnäckig bei Stimmkonsistenz: Wenn du einmal klar und schlicht schreibst, will ich dich nicht zwei Seiten später in Ausreden-Deutsch verlieren.
Frequently Asked Questions
Common questions about writing a book like All the Devils Are Here.
- Was macht All the Devils Are Here so fesselnd?
- Viele glauben, Spannung entstehe nur durch Cliffhanger oder eine einzelne Heldin. McLean und Nocera erzeugen Sog durch Ursachenketten: Eine Entscheidung macht die nächste nicht nur möglich, sondern plausibel. Dadurch liest du weiter, weil du wissen willst, welcher kleine Schritt das System endgültig kippt. Wenn du das nachbauen willst, prüfe jede Szene: Erzwingt sie eine Folgehandlung, oder informiert sie nur?
- Wie schreibt man ein Buch wie All the Devils Are Here?
- Oft heißt es, man müsse nur gründlich recherchieren und dann „verständlich erklären“. Die Nuance liegt in der Dramaturgie der Erklärung: Du ordnest Fakten so, dass sie wie Konflikte wirken, mit handelnden Personen, klaren Zwängen und sichtbaren Einsätzen. Baue Kapitel um Entscheidungen, nicht um Themenüberschriften, und lass jede Station eine Ausrede entfernen. Wenn du merkst, dass du zu viel vorab definierst, fehlt dir wahrscheinlich eine Szene, die den Begriff verdient.
- Ist All the Devils Are Here für angehende Schreibende geeignet?
- Viele nehmen an, ein Finanzkrisen-Sachbuch tauge nur für Fachleute. Für Schreibende eignet es sich gerade, weil es Komplexität ohne Dozentenstimme trägt und weil es zeigt, wie man ein System als Gegner inszeniert. Du kannst daraus lernen, wie man Rollenfiguren einführt, ohne Lebensläufe zu stapeln, und wie man Tempo hält, ohne zu vereinfachen. Achte beim Lesen darauf, wo du weiterlesen willst, und frage dich, welche Frage der Text dort gerade offen hält.
- Welche Themen werden in All the Devils Are Here behandelt?
- Man sagt schnell: Banken, Hypotheken, Crash. Das Buch behandelt vor allem Verantwortung, Anreize und die Sprache, mit der Institutionen Risiko in etwas Harmloses verwandeln. Es zeigt, wie Politik, Aufsicht, Rating und Vertrieb sich gegenseitig Deckung geben, bis niemand mehr „Stopp“ sagen kann, ohne selbst zu verlieren. Wenn du daraus schreibhandwerklich lernen willst, markiere Stellen, an denen ein Thema durch eine Entscheidung sichtbar wird, statt durch eine Behauptung.
- Wie lang ist All the Devils Are Here?
- Viele denken, Länge sei vor allem eine Seitenzahlfrage und damit nur praktische Information. Für dein Handwerk zählt: Das Buch nimmt sich Raum, weil es Ketten vollständig zeigen muss, und es kompensiert Länge durch strenge Auswahl dessen, was eine Konsequenz auslöst. Du kannst ein ähnliches Gefühl auch kürzer erzeugen, wenn du pro Abschnitt eine klare Frage treibst und alles streichst, was nur Kontext liefert. Länge ohne Kette wirkt wie Archiv, Länge mit Kette wirkt wie Handlung.
- Was kann man aus All the Devils Are Here über Struktur lernen?
- Eine verbreitete Regel lautet, Sachbücher müssten sauber „von A bis Z“ erklären. Das Buch funktioniert besser, weil es Struktur als Eskalation baut: Es startet mit plausiblen Motiven, zeigt dann die Mechanik der Weitergabe von Risiko und endet bei den Konsequenzen, wenn Auswege verschwinden. Dadurch fühlt sich jedes Kapitel wie ein Schritt auf dünner werdendem Eis an. Wenn du deine Struktur planst, frag nicht nur „Was kommt als Nächstes?“, sondern „Welche nächste Verbindung macht die Lage gefährlicher?“
Über Bethany McLean & Joe Nocera
Stelle jede scheinbar sichere Aussage als prüfbare Frage hin, damit deine Lesenden das Urteil selbst fällen und dir gerade deshalb glauben.
Bethany McLean schreibt Wirtschaftsberichte wie Spannungsprosa, ohne je Spannung zu behaupten. Ihr Motor ist Misstrauen gegenüber bequemen Erklärungen. Sie baut Bedeutung, indem sie scheinbar sichere Aussagen in überprüfbare Teile zerlegt: Wer sagt das? Wovon lebt diese Behauptung? Welche Zahl trägt sie, und welche Zahl fehlt? Du lernst von ihr, wie man Leservertrauen nicht durch Ton gewinnt, sondern durch saubere Beweisführung im Satz.
Ihr stärkster Hebel ist die kontrollierte Verzögerung. McLean gibt dir nicht sofort das Urteil, sondern zuerst die Bedingungen, unter denen ein Urteil überhaupt fair wäre. Sie führt dich durch Dokumente, Interessenkonflikte und Sprachtricks, bis du selbst die Bruchstelle spürst. So entsteht ein Sog: Du liest nicht, um „zu wissen“, sondern um zu prüfen.
Die technische Schwierigkeit liegt in der Balance aus Fachpräzision und Lesbarkeit. Sie schreibt nicht „kompliziert“, sie schreibt „belastbar“. Jeder Begriff muss etwas tragen: Bilanzsprache, Rechtsformeln, Analystenfloskeln. Aber sie lässt diese Wörter nicht stehen. Sie setzt sie in Kollision mit Alltagssätzen, die zeigen, was das Fachwort in der Wirklichkeit anrichtet.
Wenn du sie studierst, lernst du, wie man Recherche in Dramaturgie verwandelt, ohne zu erfinden. Ihr Prozess wirkt wie strenges Umschreiben: erst Rohmaterial sammeln, dann eine Kette aus Fragen formen, dann gnadenlos kürzen, bis jede Szene eine These prüft. McLean hat das literarische Gewicht von „Fakten“ verschoben: Nicht als Dekoration, sondern als Handlung, die Konsequenzen erzwingt.
Joe Nocera schreibt Wirtschaft wie eine moralische Szene, nicht wie ein Zahlenbericht. Sein Motor ist Verantwortung: Wer trägt sie, wer schiebt sie weg, wer profitiert, und wer zahlt am Ende den Preis? Er baut Bedeutung, indem er abstrakte Systeme an konkrete Entscheidungen koppelt. Du liest nicht „Der Markt tat X“, sondern „Diese Person tat X, weil …“ – und plötzlich wird ein komplizierter Vorgang überprüfbar.
Handwerklich führt er dich über kontrollierte Neugier. Erst setzt er einen klaren Streitpunkt, dann verteilt er Belege so, dass du ständig nachjustierst: ein Detail, das deine Sympathie verschiebt; ein Zitat, das eine Ausrede entlarvt; eine Zahl, die ein Selbstbild zerstört. Wichtig: Er tut das ohne den Dozenten zu spielen. Er nimmt deine Intelligenz ernst und zwingt dich trotzdem, Position zu beziehen.
Die technische Schwierigkeit liegt in der Balance aus Fachnähe und Lesbarkeit. Nocera wirkt leicht, weil er Begriffe erklärt, ohne zu „erklären“. Er wählt wenige, scharfe Kennzahlen, definiert sie im Satzrhythmus mit, und setzt sie sofort in eine Konsequenz um. Nachahmung scheitert, wenn du nur Ton und Empörung kopierst, aber nicht die Beweiskette, die diese Empörung verdient.
Studieren solltest du ihn, weil er gezeigt hat, wie man Meinung als Ergebnis von Recherche schreibt: als nachprüfbare Argumentdramaturgie. In Entwurf und Überarbeitung heißt das: erst die These fixieren, dann jede Szene, jede Zahl, jedes Zitat als Funktion prüfen. Wenn ein Absatz nichts entscheidet, fliegt er. Wenn ein Fakt keine Richtung gibt, wird er umgestellt oder ersetzt.
Hör auf zu zweifeln. Fang an zu veröffentlichen.
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