Zum Inhalt springen

Adam Grant Schreibstil

Geboren 13. August 1981

Analyse vom Redaktionsteam von Draftly · Aktualisiert am 15. August 2026

Wer den Leser umstimmen will, legt die eigene Fehleinschätzung zuerst auf den Tisch, sonst verteidigt der Leser sich, statt nachzudenken.

Schreiben wie Adam GrantSo funktioniert das Lektorat in Draftly

Übersicht zum Schreibstil

Übersicht zum Schreibstil von Adam Grant: Stimme, Themen und Technik.

Studenten kamen mit einer Idee für den Brillenverkauf im Netz zu Adam Grant, und er lehnte ab. Sie hatten ihre Stellen behalten, und darin sah er fehlende Überzeugung. Diese Fehlentscheidung erzählt er auf den ersten Seiten von Originals, ausgerechnet in dem Buch, das anschließend zeigt, wie viel Absicherung hinter dem steckt, was später nach Wagemut aussieht. Bevor er von dir etwas verlangt, hat er selbst schon verloren.

Darin liegt sein Verfahren. Wer eine Überzeugung angreift, an der ein Selbstbild hängt, löst nach den Befunden, die Will Storr zusammenträgt, eine Alarmreaktion aus. Sarah Gimbel hat Menschen im Scanner mit Gegenbelegen zu ihren politischen Ansichten konfrontiert. Das Muster ähnelte dem eines Spaziergängers, der im Wald einem Bären begegnet. Belanglosigkeiten verteidigt so niemand. Grant löst die Überzeugung deshalb erst vom Leser, bevor er sie anfasst.

Die zweite Hälfte der Arbeit erledigen seine Etiketten. Geber, Nehmer und Abgleicher in Give and Take. Prediger, Ankläger und Politiker in Think Again, dazu der Forscher als die Rolle, die noch frei ist. Alle diese Wörter kennst du schon, und alle kommen vor dem Urteil. Du steckst dich also selbst in eine Schublade und erfährst erst danach, was sie kostet. Mit einer Schublade lässt sich streiten, mit einer Person nicht.

Zu lernen ist bei ihm die Reihenfolge und nicht der Satzbau. Sie funktioniert auch weit weg von der Sozialforschung, nämlich bei jedem Thema, zu dem ein Leser schon eine Meinung mitbringt. Das sind die meisten.

Schreiben wie Adam Grant

Schreibtechniken und Übungen, um Adam Grant nachzuahmen.

  1. 1

    Formuliere die Annahme so, wie ihr Anhänger sie verteidigt

    Schreib die Annahme, gegen die du anschreibst, an den Kopf der Seite, und zwar so, wie jemand sie beim Abendessen verteidigen würde. Dann lies sie einer Person vor, die sie vertritt. Antwortet sie, das behaupte so niemand, hast du dein Ziel gebaut statt gefunden, und der ganze Text beantwortet ab jetzt einen Einwand, den nie jemand erhoben hat. Diese Probe ist absichtlich unangenehm. Grants Annahmen bestehen sie, weil Leute danach handeln: die Idee für sich behalten, bis sie fertig ist, oder die eigene Sicherheit für einen Beleg halten.

  2. 2

    Zahl, bevor du etwas forderst

    Such die Stelle, an der du in genau dieser Sache falsch lagst, und schreib sie mit dem Detail auf, das sie peinlich macht. Ein Datum, eine Entscheidung, eine Summe, die jemand nachschlagen könnte. Das gehört auf die ersten Seiten und nicht in die Danksagung, denn ein Geständnis am Schluss ist eine Ehrenrunde. Danach prüfst du den Preis. Wenn dich das Eingeständnis klug aussehen lässt, ist es kein Eingeständnis, sondern eine Referenz im falschen Mantel, und der Leser rechnet genau so.

  3. 3

    Reich die Schubladen und tritt zurück

    Bau deine Kategorien aus Wörtern, die dein Leser ohnehin benutzt, drei oder vier davon, und mach mindestens eine zum Kompliment. Das Einsortieren übernimmt er. Verzichte auf den Satz, der ihm sagt, welche Kategorie ihm gehört, denn dieser eine Satz macht aus einem neugierigen Leser einen abwehrbereiten. Du wirst ihn schreiben wollen. Er ist die Pointe, er klingt am klügsten, und ihn wegzulassen entscheidet darüber, ob sich jemand selbst ertappt oder ertappt wird.

  4. 4

    Setz erst einen Menschen hin, dann die Studie

    Beginne den Abschnitt mit einem Menschen im Moment einer Entscheidung, so nah, dass man es filmen könnte. Sol Steins Regel dazu lautet, dass die Sachprosa jedes Mittel des Romans benutzen darf und keines erfinden, also muss die Szene aus dem gebaut sein, was überliefert ist. Erst wenn der Leser in der Entscheidung steckt, fällt der Name des Forschers, und der Befund kommt als Antwort auf eine Frage an, die längst im Kopf steht. Dreh die Reihenfolge um, und du hast einen Forschungsbericht mit einer Anekdote als Vorbau. Der wird überflogen, zu Recht.

  5. 5

    Sammle alle Einschränkungen an einer Stelle

    Durchsuch deinen Entwurf nach oft, meistens, in vielen Fällen, neigt dazu und kann sein. Streich sie an Ort und Stelle. Dann baue einen Abschnitt, der die Bedingungen sauber nennt: wann der Satz gilt, für wen, und was zutreffen muss, damit er kippt. Steven Pinkers Befund zum unzusammenhängenden Kapitel hilft hier weiter, denn ein Gegenargument, das die Hauptlinie dauernd unterbricht, wirkt auf den Leser bedrängend statt überzeugend, während derselbe Stoff in einem eigenen Abschnitt souverän wirkt. Deine Sätze bekommen ihre Kanten zurück. Dein Argument bekommt eine Grenze. Und der Leser darf zusehen, wie du sie ziehst.

Adam Grants Schreibstil

Aufschlüsselung von Adam Grants Schreibstil: Satzstruktur, Ton, Tempo und Dialog.

Satzstruktur

Der Schreibstil von Adam Grant lebt von kurzen Aussagesätzen mit dem Verb weit vorn, und das wirkt schlichter, als es ist. Lies eine Seite laut, und du hörst eine Behauptung, ein Weil, dann einen Satz, der dir den Punkt als Frage zurückgibt. Er schreibt auf Entnahme hin. Viele Zeilen sind so gebaut, dass sie das Herauslösen aus dem Absatz überstehen, und darin liegt zugleich die Gefahr: Eine Seite lauter zitierbarer Sätze ohne Verbindung dazwischen ist ein Feed und kein Argument. Seine Antwort darauf sind die Bindewörter. Also, aber und doch leisten bei ihm mehr als jedes Adjektiv.

Wortschatz-Komplexität

Der Wortschatz bleibt absichtlich unspezialisiert, was schwerer durchzuhalten ist, als es klingt, wenn der Stoff aus der akademischen Psychologie kommt. Fachbegriffe werden bei ihrem ersten Auftritt übersetzt oder weggelassen. Seine eigenen Prägungen bestehen aus Alltagswörtern, sodass Geber, Abgleicher und Prediger ihre halbe Definition schon im Wort tragen und man sie am Tag der Lektüre im Gespräch verwenden kann. Bei den Verben wird es genauer. Umdenken, verlernen, übersehen, einräumen: Sie benennen Denkvorgänge und keine Gefühle.

Ton

Er schreibt als Ebenbürtiger, der dich in genau einer Sache für falsch informiert hält, und das ist eine engere Haltung als die des Experten oder des Trainers. Belehrt wirst du nicht. Warm ist es auch weniger, als sein Ruf verspricht, denn die Freundlichkeit ist gebaut und nicht angeboren: Sie hält den Leser im Raum, während man ihm eine Überzeugung abnimmt. Humor kommt als Entlastung und geht schnell wieder. Zurück bleibt das Gefühl, den Hebel zu sehen, und dieses Gefühl stellt sich nach einem Zugeständnis ein und nicht nach einer schönen Formulierung.

Tempo

Die Abschnitte sind kurz, und jeder schließt die Frage, die er aufgemacht hat, weshalb sich die Bücher schneller lesen, als ihre Argumente es verdienen. Innen ist der Takt gleich. Person, Problem, Befund, dann ein Satz, der sagt, was sich ändert, falls der Befund hält. Er verweilt nicht in der Szene, und er schneidet sie in dem Moment ab, in dem die Entscheidung sichtbar wird, nicht in dem, in dem sie ausgeht. Kapitel enden mit etwas zu tun. Die Zusammenfassung klingt deshalb nach einer Liste von Ergebnissen, das Buch selbst dagegen nach lauter kleinen Korrekturen, die man seit der ersten Seite an sich selbst vornimmt.

Dialogstil

Zitate sind bei ihm Diagnosen. Er sammelt den Satz, den jemand sagt, während seine Überzeugung gerade arbeitet, die Zeile also, die eine Führungskraft ausspricht, ohne sie zu hören, und setzt sie dorthin, wo der Leser seine eigene Fassung wiedererkennt. Lange Wechselreden gibt es kaum. Wenn doch zwei Leute ausführlich sprechen, ist das Gespräch selbst der Beleg, etwa bei den Impfgesprächen in Think Again, wo alles daran hängt, welche Frage gestellt wurde und was in der Stille danach geschah. Er zitiert auch sich selbst beim Unterliegen, und das klingt nach Bescheidenheit und arbeitet als Verfahren.

Beschreibungsansatz

Schauplätze fehlen fast ganz, und wo einer auftaucht, hat er eine Aufgabe. Think Again beschreibt, was die Mannschaft am Mann Gulch trug, weil das Gewicht in den Händen das Argument ist, und der übrige Berg bekommt einen Satz. Er beschreibt Entscheidungen statt Räume. Was jemand im Moment der Wahl sehen konnte, was er glaubte, dass sie kosten würde, was seine Hände taten: Diese Details überleben seine Streichungen. Die Seite hat dadurch wenig Textur, und das ist ein echter Verlust, den er bewusst hinnimmt.

Charakteristische Schreibtechniken

Charakteristische Schreibtechniken im Werk von Adam Grant.

Das Eingeständnis mit Preisschild

Ein Eingeständnis wirkt, wenn der Leser seinen Preis kennt. Give and Take behauptet, Großzügigkeit zahle sich aus, und dasselbe Buch berichtet, dass Geber sich am unteren Ende der Leistungsmessungen ebenso häufen wie am oberen. Das ist der teuerste Satz darin, und er steht vorn und nicht in einer Fußnote. Das Zugestandene muss also etwas sein, das die eigene These lieber behalten hätte. Ein Bekenntnis zum Perfektionismus kauft nichts, weil man ihm ansieht, dass es umsonst war.

Ein Name pro Wendung

Zähl die Studien in einem seiner Kapitel, und es sind weniger, als der Ruf vermuten lässt. Ein Befund trägt, und er gehört jemandem mit Namen. Michael Housman sah nach, welchen Browser die Leute im Kundendienst benutzten, und fand, dass die mit selbst installiertem Firefox oder Chrome länger blieben als die mit dem vorinstallierten Programm. Originals baut aus diesem einen Ergebnis einen neuen Begriff von Verbindlichkeit. Der Name des Forschers ist keine Höflichkeit. Er hält den Satz ehrlich, denn was einer Person gehört, lässt sich prüfen und irgendwann widerlegen.

Der Streit zweier Dritter

Er lässt zwei Leute streiten, von denen keiner der Leser ist. Ein Gründer und ein Geldgeber. Eine Analystin im Geheimdienst und der Apparat, den sie ändern wollte. Ein Debattenmeister und die Maschine, die ihn schlagen sollte. Fremden beim Streiten zuzusehen kostet nichts, und wer dabei Partei ergreift, hat sich festgelegt, ohne dass jemand ihn zum Umdenken aufgefordert hätte. Das Mittel ist alt und wird selten benutzt. Es kippt, sobald eine der beiden Figuren aus Stroh ist, damit die andere gewinnt.

Fragen statt sagen

Think Again widmet ein Kapitel der motivierenden Gesprächsführung, also der Technik, nicht mehr zu argumentieren, sondern zu fragen, was das Gegenüber bewegen würde. Danach schreibt Grant genau so. Ganze Absätze bestehen aus Fragen. Was müsste zutreffen, damit du deine Meinung änderst? Welchen Beleg würdest du gelten lassen? Das ist keine Zierde, denn wer eine solche Frage beantwortet, hat den Einwand selbst erzeugt und muss ihn nun selbst loswerden. Falsch dosiert kippt es sofort, und man erkennt es daran, dass der Autor seine Frage im nächsten Satz beantwortet.

Selbstbewusste Bescheidenheit

Think Again benennt die Haltung, und die Prosa führt sie vor. Er stellt eine Behauptung nüchtern hin und sagt dann, was ihn umstimmen würde, und die zweite Hälfte erlaubt erst die erste. Wer alles einschränkt, klingt nach Absicherung. Wer nichts einschränkt, klingt, als höre er nicht mehr zu. Grant bleibt sicher in der Sache und offen im Prüfverfahren, und das wirkt nicht vorsichtig, sondern stark, weil er die Stelle nennt, an der man ihn schlagen könnte. Ein Nebeneffekt lohnt die Beachtung. Leser bringen ihm Gegenbeispiele statt Beschwerden.

Der Ausgang, der das Gesicht wahrt

Die falsche Überzeugung erscheint als die vernünftige Voreinstellung, die kluge Leute aus guten Gründen teilen, und erst danach zeigt sich ihre kurze Reichweite. Meinungswechsel kosten Ansehen. Diese Rechnung stellt der Leser ohnehin auf, ob der Autor es merkt oder nicht, und Grant begleicht sie vorab. Der Fehler gehört einer Gruppe nachdenklicher Menschen, und ihn zu verlassen wird als Aufstieg angeboten und nicht als Rückzug. Zu dick aufgetragen wird daraus Schmeichelei, und die Grenze verläuft dort, wo die neue Position schwerer zu halten ist als die alte.

Stilmittel, die Adam Grant verwendet

Stilmittel, die Adam Grants Stil definieren.

Die zweistufige Verneinung

Bevor er widerspricht, macht er die falsche Antwort erst einmal attraktiv. Steven Pinker erklärt, warum das nötig ist: Wer einen Satz hört, glaubt ihn für einen Moment, und ihn als falsch zu markieren kostet einen zusätzlichen Schritt. Eine Verneinung trägt deshalb nur, wenn das Verneinte vorher verlockend war. Give and Take beginnt mit einem Geldgeber, der sich großzügig verhält und das Geschäft an einen anderen verliert. Das Gegenargument steht also, bevor die These überhaupt ausgesprochen ist.

Etiketten zum Anprobieren

Geber, Nehmer, Abgleicher. Prediger, Ankläger, Politiker. Kein Wort davon muss erklärt werden, und genau darauf kommt es an, denn eine Prägung mit einem Absatz Vorlauf benutzt im Meeting niemand. Er benennt außerdem Zustände und keine Dinge. Für die dumpfe Mitte der Pandemie fand er in einem Zeitungsessay das Wort languishing, und die Leser erkannten sich darin, bevor sie das Argument gelesen hatten. Unbequem wird es, weil von seinen drei Rollen zwei die sind, die man lieber nicht wäre.

Die Bedingung statt der Weichspülung

Sieh dir an, wie er eine Grenze zieht. Schwächere Autoren weichen die Behauptung auf, streuen oft und in manchen Fällen ein und haben am Ende einen Rat, der nicht mehr falsch sein kann. Grant behält die Schärfe und verschiebt stattdessen den Geltungsbereich: Der Satz gilt unter genannten Bedingungen und für genannte Leute, sonst nicht. Geber landen unten und ebenso oben, und den Ausschlag gibt, ob der Geber die eigene Zeit schützt. Damit lässt sich arbeiten, mit einem oft nicht.

Die Umkehr, die ein anderer vollzieht

Seine Belege sind Menschen, die man beim Umdenken beobachtet. Think Again beginnt am Mann Gulch, wo eine Feuermannschaft mit ihren Geräten bergauf vor den Flammen flieht und der Vorarbeiter überlebt, weil er stehen bleibt, alles fallen lässt und vor sich selbst ein Feuer entzündet. Später kommen ein Bluesmusiker, der Männern die Kutte des Klans ausredet, und ein Arzt in Quebec, der eine Mutter mit Fragen statt mit Fakten umstimmt. Immer gibt jemand eine Position auf, sichtbar und gegen Widerstand. Wenn Grant sich danach an dich wendet, sieht Nachgeben nicht mehr nach Niederlage aus.

Nachahmungsfehler

Häufige Fehler beim Nachahmen von Adam Grant.

Gegen eine Annahme anschreiben, die niemand vertritt

Das Fach belohnt die Umkehrung, also erfindet man am schnellsten eine Meinung und räumt sie ab. Leser merken das. Steven Pinkers Beispielpaar trifft es genau: Ein Wal ist kein Fisch, das gibt etwas zu korrigieren. Ein Hering ist kein Säugetier, und darauf folgt nur die Rückfrage, wer das behauptet habe. Ist diese Frage erst gestellt, klingt jede spätere Behauptung gemacht, auch die zutreffenden. Prüf deine Annahme, indem du jemanden suchst, der nach ihr handelt. Findest du weder Person noch Firma noch Regel, hast du kein Ziel.

Ein Eingeständnis wählen, das nichts gekostet hat

Die Nachahmung beginnt pflichtgemäß mit einem Scheitern, und das Scheitern lautet, der Autor habe früher zu viel gearbeitet. Das ist eine Antwort aus dem Bewerbungsgespräch. Der Leser erkennt die Form sofort, und der Rest des Textes bittet nun um Vertrauen von jemandem, der genau dort ausgewichen ist, wo Ehrlichkeit billig gewesen wäre. Die echte Fassung kauft eine Erlaubnis. Will Storrs Bericht über das modellverteidigende Gehirn erklärt, warum es diese Erlaubnis braucht: Niemand korrigiert eine Überzeugung in einem Raum, in dem Korrektur tödlich aussieht.

Die Kategorien und die Diagnose zugleich verteilen

Man baut die Typologie und nimmt dem Leser dann die Arbeit ab, indem man dazuschreibt, welcher Typ er vermutlich sei. Dieser Satz hebt die Typologie auf. Wer sich eben noch selbst einsortiert hat, wird jetzt einsortiert, und die Abwehr, die Grant ein ganzes Kapitel lang umgangen hat, schaltet sich in einem Nebensatz ein. Gib die Kategorien aus und danach ein paar Absätze Ruhe. Eine Selbsteinschätzung, zu der jemand allein kommt, hält bis nächste Woche, und nur solche lohnen die Mühe.

Eine richtige Aussage umdrehen, um Überraschung zu kaufen

Weitergereicht wird, was überrascht, und am schnellsten kommt man dorthin, indem man etwas Richtiges umdreht und die Belege hinterher sucht. Sie finden sich, denn zu fast jeder Position findet sich etwas, und heraus kommt ein Text, der formal haltbar und still unwahr ist. Das ist schlimmer als ein Irrtum, den jemand korrigieren kann. Grant geht andersherum vor, und deshalb bleiben etliche seiner Umkehrungen halb. Geber stehen oben und ebenso unten. Eine Umkehrung hält, wenn die alte Antwort in ihr noch vorkommt, und wo sie fehlt, wurde umgedreht statt untersucht.

Bücher

Entdecke Adam Grants Bücher und die Geschichten, die Stil und Stimme geprägt haben.
  • Originals

    Originals

  • Think Again

    Think Again

Häufig gestellte Fragen

Häufige Fragen zu Adam Grants Schreibstil und Techniken.
Woran erkennt Adam Grant, welche Annahme sich zu bestreiten lohnt?
Sie muss eine Annahme sein, nach der jemand handelt. Halte deine beste Idee zurück, bis sie fertig ist. Wer sicher ist, hat gründlich gearbeitet. Großzügigkeit ist sympathisch und teuer. Nach solchen Sätzen richten Leute ihren Dienstag aus, und deshalb hat die Korrektur überhaupt einen Ort. Daher auch die Bauform seiner Anfänge: Die falsche Antwort bekommt erst eine faire Anhörung, dann passiert ihr etwas. Fehlt dieser Schritt, spürt man es sofort. Eine Meinung wird zur verbreiteten Meinung erklärt, der Leser erkennt sie nicht wieder, und der Rest ist eine Vorstellung vor leerem Stuhl.
Wie widerspricht Adam Grant, ohne den Leser zu verlieren?
Indem der Leser gar nicht der Widersprochene ist. Die Überzeugung gehört zuerst einer Gruppe vernünftiger Leute, und in dieser Gruppe sitzt der Leser freiwillig, weil er sich eine Seite vorher selbst dort eingeordnet hat. Danach streitet der Text mit einer Position und nicht mit einem Menschen, und eine Position kann verlieren, ohne dass sich jemand blamiert. Einen Versuch hast du. Sobald ein Leser sich wehrt, argumentiert dein Text gegen jemanden, der ihn nicht mehr liest, und kein Beleg im weiteren Kapitel holt das zurück. Deshalb wirken seine Anfänge lang. Das Argument selbst braucht dann erstaunlich wenig Platz.
Kann man wie Adam Grant schreiben, ohne Studien zur Hand zu haben?
Ja, und die Studien sind der Teil, der sich am schlechtesten mitnehmen lässt. Tragend sind drei andere Dinge: eine Überzeugung, die den Streit lohnt, ein Mensch, der vor deinen Augen umdenkt, und ein Eingeständnis, das der Autor zuerst macht. Belege stärken die Mitte, und die übrigen drei Teile retten sie nicht. Kläre vorher, wen du vor dir hast. Ratgeber für Zustimmende brauchen ein Verfahren, Texte für Zweifelnde brauchen Deckung, und wer die falsche Reihenfolge wählt, langweilt die einen und verliert die anderen.
Wie verhindert Adam Grant, dass ein Kapitel zur Studienschau wird?
Vor jedem Befund steht ein Mensch, und Befunde gibt es weniger, als der Ruf des Autors vermuten lässt. Ein Kapitel dreht sich meist um ein einziges Ergebnis, ausgewählt danach, ob es eine Entscheidung verändert, und die übrige Literatur bleibt in den Anmerkungen. Dazu nennt er Namen. Michael Housman, Carmen Medina, ein Vorarbeiter an einem Hang in Montana: In den Sätzen handelt jemand, und deshalb bewegt sich der Text auch dort, wo der Stoff sperrig ist. Die misslungene Fassung erkennt man daran, dass ein Ergebnis vorgestellt, beschrieben und gedeutet wird und vier Sätze lang kein Mensch vorkommt.
Wo stößt das Verfahren von Adam Grant an seine Grenze?
An drei Stellen, und man sollte sie vor dem Nachbauen kennen. Bringt der Leser keine Vormeinung mit, läuft die Maschine leer: Es gibt nichts abzulösen, und das Eingeständnis kauft nichts. Ist die geläufige Antwort ausnahmsweise richtig, erzeugt das Verfahren trotzdem eine Umkehrung, und so entstehen die schlechten Bücher dieses Fachs. Und wer drei davon gelesen hat, sieht die Bauform, sodass die Überraschung auf Seite vier schon als Überraschung angekündigt wirkt. Gegen keinen dieser drei Punkte hilft ein besserer Satz.
Bedeutet Schreiben wie Adam Grant, alles abzuschwächen?
Im Gegenteil, obwohl der Eindruck naheliegt, denn seine Seiten stecken voller Bedingungen. Entscheidend ist, wo sie stehen. Die Bedingungen sind gebaut und nicht formuliert: Wann der Satz gilt und für wen, steht in einer eigenen Passage, und die Sätze selbst bleiben nackt. Weichspülen geschieht im Satz und kostet ihn die Kante. Begrenzen geschieht um den Satz herum und kostet ihn nichts. Zähl in einem seiner Absätze die Weichmacher, zähl danach die Geltungsangaben, und das Verhältnis ist die eigentliche Lektion.

Bereit, deinen Entwurf gezielt zu verbessern?

Öffne Draftly, hol deinen Entwurf rein und komm vom Festfahren zu einem stärkeren Entwurf - ohne deine Stimme zu verlieren. Lektoren stehen bereit, wenn du Tiefgang willst.

Kostenloses Startguthaben inklusive. Keine Kreditkarte nötig.