Zum Inhalt springen

John McPhee Schreibstil

Geboren 8. März 1931

Analyse vom Redaktionsteam von Draftly · Aktualisiert am 15. August 2026

Ordne dein Material in Teile und entscheide über die Reihenfolge, bevor du den ersten Satz schreibst, denn der Leser spürt die Reihenfolge.

Schreiben wie John McPheeSo funktioniert das Lektorat in Draftly

Übersicht zum Schreibstil

Übersicht zum Schreibstil von John McPhee: Stimme, Themen und Technik.

„Levels of the Game“ erzählt ein einziges Tennisspiel. Arthur Ashe schlägt gegen Clark Graebner auf, und in den Pausen zwischen den Punkten schiebt McPhee die Herkunft der beiden ein, ihre Trainer, ihr Verhältnis zum Risiko, bis der Schlagwechsel selbst zum Argument über zwei Kindheiten wird. Erfunden ist daran nichts. Erfunden ist nur die Reihenfolge.

Wie diese Reihenfolge entsteht, hat er in den Essays von „Draft No. 4“ beschrieben. Er tippt seine Notizen ab, druckt sie, zerschneidet den Ausdruck in Streifen und legt jeden Streifen in einen Ordner für den Bestandteil, zu dem er gehört. Ein Ordner pro Strang. Erst danach zeichnet er die Form auf, und für den ersten Teil von „Coming into the Country“ ist das ein Kreis, weil die Flussfahrt an einem Punkt beginnt, zu dem die Erzählung später zurückkehrt.

Wer ihn nachahmt, greift meist zum Ton, und das ist das falsche Ende. Trocken, genau, ohne Eile. Dieser Ton bleibt übrig, nachdem die schwere Entscheidung gefallen ist, und die schwere Entscheidung lautet: Welche von mehreren möglichen Reihenfolgen macht Lust auf den nächsten Block Geologie, Recht oder Fracht? Wer hier falsch wählt, rettet nichts mehr durch Formulieren.

Ratschläge zum Schreiben drehen sich fast immer um Sätze, weil ein Satz in einen Post passt. McPhees Problem liegt eine Ebene darüber, und es betrifft jeden, der Leser durch ein Thema führen will, das sie sich nicht ausgesucht haben. Man kann eine Strecke ablaufen, die ohnehin existiert, etwa eine Küste oder eine Bahnlinie. McPhee zeichnet die Strecke erst und geht sie dann ab.

Schreiben wie John McPhee

Schreibtechniken und Übungen, um John McPhee nachzuahmen.

  1. 1

    Zerlege das Material in Bestandteile

    Druck deine Notizen aus und zerschneide sie. Ein Streifen pro Beobachtung, Zitat, Zahl oder Szene, ein Ordner pro Bestandteil, wobei ein Bestandteil ein Strang ist, den der fertige Text braucht: der Ort, das Verfahren, die Person, die Vorgeschichte, der Einwand. Über die Reihenfolge entscheidest du jetzt noch nicht. Dieser Durchgang zeigt dir, was du hast, und das ist selten das, was du nach der Recherche zu haben glaubtest. Zwei Ordner mit je einem Streifen sagen dir etwas. Der Ordner, der nicht zugeht, ebenfalls.

  2. 2

    Zeichne die Form und streite mit der Zeichnung

    Bring die Bestandteile als Figur aufs Papier, nicht als Liste. Eine Linie, ein Kreis, ein Y, eine Spirale, je nachdem, wie der Leser sich bewegen soll. Prüfe die Figur dann mit zwei Fragen: Welche Frage lässt jeder Teil am Ende offen, und beantwortet der nächste Teil genau diese Frage oder eine andere? Beantworten zwei Teile dieselbe Frage, fliegt einer raus. McPhee hat solche Figuren für Texte in Buchlänge mit der Hand gezeichnet, was dir sagt, wie billig die Zeichnung ist und wie teuer die falsche Reihenfolge.

  3. 3

    Misstraue der Chronologie

    Die Chronologie bietet sich zuerst an, weil die Notizen in dieser Folge entstanden sind. Verlyn Klinkenborg formuliert den Einwand knapp: Es gibt keinen Pfeil der Erinnerung und keinen Pfeil des Denkens, also hat der Ablauf deiner Recherche keinen Anspruch auf den Ablauf deines Textes, und die Klumpen, in denen dein Material angefallen ist, sind ein Zufall des Terminkalenders. Löse die Klumpen auf. Frag stattdessen, welche Szene an erster Stelle die zweite Szene größer macht, als sie allein wäre. Manchmal ist die Antwort der Anfang. Oft steht sie in der Mitte, und sie nach vorn zu holen kostet nur Mut.

  4. 4

    Lass einen Gegenstand die Erklärung tragen

    Such das Ding, das man anfassen kann. Einen Straßeneinschnitt, ein Fahrtenbuch, einen auf Hochglanz polierten Edelstahltank, eine Zimmertür mit Schlamm dahinter. Schreib den Absatz dann so, dass der Gegenstand zuerst kommt und der Gedanke danach, und streiche den Satz, der dem Leser erklärt, was er von dem Gegenstand halten soll, denn das hat der Gegenstand schon erledigt. Der Test ist einfach: Könnte ein Leser deinen Punkt wiedergeben, wenn er nur den Gegenstand gesehen hätte? Wenn nicht, war der Gegenstand falsch gewählt und nicht die Formulierung.

  5. 5

    Überarbeite in Blöcken, danach in Wörtern

    Mach ein Rückwärts-Exposé. Lies deinen Entwurf schnell und schreib zu jedem Absatz einen Satz, der festhält, welche Aufgabe der Absatz erledigt. Danach arbeitest du nur noch mit dieser Liste: umstellen, zusammenlegen, streichen, alles auf der Liste, bevor du den Text anfasst. Die Struktur kommt zuerst. Die Wortwahl kommt zuletzt, und McPhees eigener letzter Durchgang ist ein Mann mit einem Wörterbuch, der jedes Wort einrahmt, das ungefähr stimmt, und dann das genaue sucht. In der falschen Reihenfolge polierst du Sätze, die du gleich streichst.

John McPhees Schreibstil

Aufschlüsselung von John McPhees Schreibstil: Satzstruktur, Ton, Tempo und Dialog.

Satzstruktur

Seine langen Sätze sind addierend, nicht verschachtelt. Ein Subjekt kommt, dann eine Einschränkung, dann eine zweite, dann ein Ortsname oder eine Maßangabe, die das Ganze auf etwas Festes aufsetzt, und man ist weit getragen worden, ohne ein Verb im Gedächtnis halten zu müssen. Die kurzen Sätze schließen ab. Sie stehen meist nach dem langen und sagen dessen schlichte Folge, weshalb der Rhythmus nach Denken klingt und nicht nach Stil. Verbunden wird überwiegend beiordnend, mit und, aber, dann, während, und das Ergebnis ist eine Stimme, die klingt wie ein kompetenter Mensch, der etwas im Sprechtempo erklärt.

Wortschatz-Komplexität

Genaue Wörter, gewöhnlicher Satzbau. Die Substantive stammen aus dem Gewerbe, das gerade beschrieben wird, also spricht ein Text über Geologie die Sprache der Geologen und ein Text über Fracht die des Fahrers, und niemand sucht nach dem freundlicheren Synonym, weil das freundlichere Synonym meistens weniger wahr ist. Um diese Substantive herum bleiben die Verben schlicht. Darin liegt der ganze Effekt: Ein Fachwort in einem Satz aus gewöhnlichen Wörtern wirkt präzise, dasselbe Fachwort in einem geschmückten Satz wirkt eitel. Er lässt ein Wort außerdem sich wiederholen, wenn es das richtige ist, und das ist eine kleine Disziplin mit großer Wirkung, weil ein Begriff nach dem vierten Mal dem Leser gehört.

Ton

Gleichmäßig, neugierig, trocken. Die Autorität stammt aus der Recherche und nicht aus einer erhobenen Stimme, und der Autor ist vor allem als jemand sichtbar, der hingefahren ist, nachgefragt hat und den Namen der Sache richtig aufgeschrieben hat. Komik entsteht durch Nebeneinanderstellung. Eine Amtsformulierung neben der Lage, die sie beschreibt, ist oft von selbst komisch, und er lässt sie komisch sein, ohne darauf zu zeigen. Er sagt außerdem, wo das Wissen aufhört, und das bringt mehr Vertrauen als jede Sicherheit, weil ein Autor, der die Kante des Bekannten markiert, dir zugleich gesagt hat, wie du alles darin lesen sollst.

Tempo

Das Tempo ist eine Folge der Struktur und steht fest, bevor ein Satz geschrieben ist. Weil die Teile vorher sortiert und geordnet wurden, weiß der Autor, wie lange der Leser schon in der Erklärung sitzt und wann die nächste Handlung fällig ist, und diese Form von Kontrolle wirkt anders als das Beschleunigen und Bremsen auf Satzebene. Der zweite Hebel ist die Verzögerung. Eine früh gestellte Frage bleibt über mehrere Abschnitte offen, während die Maschinerie zusammengebaut wird, die diese Frage interessant macht, sodass ein unfertiger Gedanke den Leser zieht und keine Drohung. Tempo machen Aufzählungen und saubere Nahtstellen. Langsam wird es bei anfassbaren Details, und die spart er für die Momente auf, in denen jemand sich entscheiden muss.

Dialogstil

Das Zitat ist Beweismaterial und wird wie Beweismaterial rationiert. Lange Wechselreden gibt es kaum, weil zwei sprechende Personen auf der Seite teuer sind und meist weniger verraten als eine einzige Zeile an der Stelle, an der sie eine offene Frage schließt. Zitiert wird, wie jemand ein Problem fasst, was er für selbstverständlich hält, welchen Einwand er abwinkt und wie er ein Gerät nennt, für das ein Laie ein anderes Wort hätte. Die Zitate stehen häufig in seiner eigenen Darstellung statt in einer inszenierten Szene. So bleibt das Argument in Bewegung, und die Sprechweise charakterisiert nebenbei, ohne dass eine Seite Redebegleitsätze zwischen Leser und Punkt gerät.

Beschreibungsansatz

Beschreibung ist bei ihm Vermessung. Ein Ort entsteht über die Kräfte, die an ihm ziehen, also erscheint ein Tal in „Assembling California“ über das, was dagegen drückt und wie schnell, und ein Hang über Los Angeles über das, was bei Regen herunterkommen wird. Die Adjektive tragen etwas oder fehlen. Er nennt dir das Material, das Gewicht, den Widerstand und die Stelle, an der etwas nachgibt, und am Ende des Absatzes hast du ein Funktionsmodell statt eines Bildes. Deshalb tragen seine Landschaften Argumente. Ein Ort, der über seine Belastungen beschrieben ist, erklärt die menschlichen Entscheidungen darauf bereits zur Hälfte.

Charakteristische Schreibtechniken

Charakteristische Schreibtechniken im Werk von John McPhee.

Ordner für Bestandteile

Jedes Stück Recherche bekommt eine Beschriftung, die den Strang benennt, und aus den Beschriftungen wird die Stückliste des Textes. Damit verschwindet das Grundproblem beim Entwerfen, nämlich gleichzeitig zu schreiben und zu suchen. In diesem Zustand handelt man die Struktur gegen das aus, was zufällig griffbereit liegt. Sortieren macht die Teile als Mengen sichtbar. Du siehst, dass der historische Strang dünn und der Verfahrensstrang aufgebläht ist, bevor du zu beiden ein Wort geschrieben hast, und kannst nachrecherchieren, statt ein Loch mit Prosa zu überdecken. Der Preis ist, dass die stumpfe Arbeit an den Anfang rutscht.

Die gezeichnete Struktur

Die Zeichnung ist ein Bild vom Weg des Lesers, angefertigt vor dem Entwurf und so lange bestritten, bis sie hält. Ihr Wert liegt darin, dass eine Figur auf eine Weise falsch sein kann, wie es eine Liste nicht kann. Du siehst eine Linie, die sich selbst kreuzt, und erkennst sofort, dass du dieselbe Sache zweimal aus verschiedenen Winkeln erklärst. Auch die Verzögerung wird sichtbar. Liegt die Auszahlung ganz rechts und hat der Leser keinen Grund, so weit zu laufen, hat die Zeichnung es dir vor dem Entwurf gesagt. Schwierig bleibt, dass die Figur aus dem Material kommen muss und nicht aus dem Regal.

Der tragende Gegenstand

Ein einzelnes physisches Ding steht für ein System, und das System wird über das erklärt, was das Ding tut. Ein Straßeneinschnitt ist eine Seite Schichtenkunde, an der man anhalten kann. Ein Kontrollbauwerk am Deich ist der ganze Streit zwischen einem Fluss und einer Behörde, gegossen in Beton, den man fotografieren könnte. Das funktioniert, weil Leser einen Schluss annehmen, den sie selbst gezogen haben, und denselben Schluss abwehren, wenn man ihn ihnen als Behauptung reicht. Der Fehler ist die falsche Wahl: Ein bloß malerischer Gegenstand steht im Absatz herum, während die Erklärung an ihm vorbeiläuft.

Herauslocken statt abfragen

Die Interviewtechnik besteht darin, so lange zu bleiben, bis das Gegenüber aufhört zu posieren und anfängt zu arbeiten. Er stellt Fragen, bei denen ein Fachmann ihn korrigieren darf, kommt ein zweites und drittes Mal wieder und notiert das Vokabular genauso wie die Antworten, denn die Wörter, die ein Gewerbe für seine eigenen Geräte hat, sind die halbe Figur. Frag einen Spezialisten nach seiner Meinung, und du bekommst eine Position. Frag ihn, was er letzten Dienstag getan und wie er entschieden hat, und du bekommst einen Kopf. In den Text schaffen es die Zitate, in denen jemand unter einer Beschränkung denkt, und deshalb können sie Erklärung tragen, statt sie zu unterbrechen.

Weglassen als eigene Arbeit

Streichen gehört bei ihm zum Schreiben und ist keine Schadensbegrenzung, und das Weggelassene soll eine Form hinterlassen. Ein gut gekürzter Text liest sich, als wüsste der Autor sehr viel mehr, als er erzählt hat, und dieser Eindruck arbeitet mit, weil eine kurze Passage dadurch ein großes Thema tragen kann. Die Disziplin besteht darin, ganze Funktionen zu streichen statt einzelne Wörter. Liefern zwei Abschnitte Hintergrund, verschwindet einer komplett. Hart daran ist, dass das stärkste Stück meistens genau das ist, für das du am längsten recherchiert hast.

Der vierte Entwurf

Der letzte Durchgang ist ein Wortdurchgang, und er wird mit einem Wörterbuch gemacht, nicht mit einem Synonymlexikon. Er geht den fertigen Entwurf durch und rahmt jedes Wort ein, das ungefähr stimmt, und arbeitet die eingerahmten Stellen danach einzeln ab, bis dort das Wort steht und nicht dessen Nachbar. Damit stopft er ein langsames Leck an Genauigkeit, das Leser als Unschärfe spüren, ohne die Stelle benennen zu können. Der Durchgang gehört ans Ende. Zu früh angesetzt, verbringst du einen Nachmittag mit einem Absatz, den der Strukturdurchgang gleich löscht, und deshalb zählt die Reihenfolge der Entwürfe so viel wie die Reihenfolge der Teile.

Stilmittel, die John McPhee verwendet

Stilmittel, die John McPhees Stil definieren.

Der Zopf (verschränkte Stränge)

Zwei oder mehr Stränge laufen parallel, und jeder wird genau dort aufgeschnitten, wo der andere ihn braucht. „Levels of the Game“ ist der reine Fall: ein Match in Echtzeit, in dessen Pausen zwei Biografien liegen, sodass kein Strang den Text allein tragen muss. Der Zopf löst außerdem ein Tempoproblem, an dem reine Erklärung scheitert. Wer vier Seiten Vorgeschichte am Stück weglegen würde, nimmt dieselbe Vorgeschichte in sechs Portionen an, weil jede Portion als Antwort auf eine gerade offene Frage ankommt. Mario Vargas Llosa nennt das kommunizierende Röhren und stellt die Bedingung, die man sich merken sollte: Nähe allein genügt nicht, die Stränge müssen einander verändern.

Das Aufeinandertreffen im Gelände

Statt eine Position zu vertreten, bringt er die Vertreter gegensätzlicher Positionen an denselben Ort und berichtet, was passiert. „Encounters with the Archdruid“ besteht aus drei solchen Anordnungen hintereinander: derselbe Naturschützer, einmal von einem Lagerstättengeologen einen Berg hinaufgeführt, einmal von einem Entwickler über dessen Ferieninsel, einmal von einem Staudammbauer durch eine Schlucht. Ein Urteil muss nirgends gefällt werden. Das Gelände übernimmt die Arbeit eines Kommentars, weil sich jedes Argument an dem Boden prüft, auf dem sein Vertreter gerade steht, und der Leser sieht zwei kompetenten Menschen dabei zu, wie sie einander nicht überzeugen. Der Aufwand liegt dabei vollständig in der Recherche.

Der Fachbegriff ohne Fußnote

Er benutzt das richtige Wort für die Sache und lässt den Satz drumherum die Erklärung übernehmen. In „Basin and Range“ kommt das Vokabular der Geologen unverdünnt vor, ohne Definition, nur mit so viel Umfeld, dass man weiterkommt, und dadurch bleibt der Begriff genau und der Absatz schnell. Der Gewinn heißt Vertrauen. Leser merken den Unterschied zwischen einem Autor, der den Begriff beherrscht, und einem, der ihn ihnen zuliebe verwässert hat, und dem zweiten glaubt man auch sonst weniger. Das Risiko liegt auf der Hand: Ein Fachwort zu viel, und der Absatz schließt sich über dem Kopf des Lesers. Deshalb braucht die Technik den anfassbaren Gegenstand in der Nähe.

Die zurückgehaltene Erklärung

Was der Leser am dringendsten wissen will, hält er am längsten zurück. Ein Abschnitt läuft seitenlang durch ein Verfahren, bevor das Prinzip benannt wird, das darin steckt, sodass die Benennung wie eine Bestätigung wirkt für etwas, das der Leser halb schon selbst hatte. Das fühlt sich anders an als Unterricht. Es schützt die Erklärung auch vor Skepsis, denn eine Regel vor dem Beleg lädt zum Widerspruch ein, eine Regel nach dem Beleg zum Nicken. Die Dosierung ist in beide Richtungen heikel: zu kurz, und du hast ein Lehrbuch mit Anekdoten geschrieben, zu lang, und der Leser hört vor der Auszahlung auf und gibt dem Thema die Schuld.

Nachahmungsfehler

Häufige Fehler beim Nachahmen von John McPhee.

Den ruhigen Ton übernehmen und das Sortieren auslassen

Der Ton ist das, was man am leichtesten hört, und das Wenigste, was passiert. Jemand liest einen Absatz von McPhee, bemerkt, wie gleichmäßig und unaufgeregt und arm an gefühligen Adjektiven er ist, und schreibt dann dreitausend Wörter in dieser Tonlage, ohne entschieden zu haben, welche Form der Text haben soll. Das liest sich zwei Seiten lang angenehm und danach nach nichts. Ruhe ist eine Folge. Sie kommt von einem Autor, der bereits weiß, welcher Teil als Nächstes kommt, und der deshalb den aktuellen Teil nicht überverkaufen muss. Ohne das Sortieren darunter klingt dieselbe Stimme nach einem Mann, der nichts zu verlieren hat.

Rechercheumfang für Struktur halten

Ein Stapel Recherche ist keine Struktur. Hinter einem Text wie „Rising from the Plains“ steckt eine gewaltige Menge Arbeit, und die Versuchung ist groß, diese Menge für die Leistung zu halten. Dann entsteht ein Überblick, in dem alles vorkommt und niemand beantworten kann, warum dieser Absatz hinter jenem steht. McPhees Ordner sind Filter und Lager zugleich. Ein Strang, der es nicht in die Zeichnung schafft, bleibt im Ordner, und der Leser wird verschont. Der umgekehrte Fehler ist genauso teuer, nämlich Material so zu ordnen, dass es eine These bedient, die schon vorher feststand. Beide Male hilft dieselbe Regel, die Form des Gefundenen über die Form des Geschriebenen entscheiden zu lassen.

Die Szene als Dekoration einsetzen

Eine Szene, die nur etwas zeigt, ist eine Bremse. Bei McPhee trägt die Eröffnungsszene das Problem, das der Abschnitt danach löst. Wenn die Isländer in „The Control of Nature“ Meerwasser gegen eine heranrückende Lavawand pumpen, ist das Schauspiel zugleich der Aufbau für alles, was danach über den Preis eines Streits mit einem Vulkan kommt. Setz einen bunten Moment ohne Keim hinein, und der Leser sieht die Naht. Der Text fühlt sich dann an wie eine Diaschau mit Kommentar. Weniger Szenen helfen nicht. Wähle Szenen danach aus, was sie dich anschließend zu erklären zwingen.

Erklären wie im Unterricht

Das Ankündigen ist der Verräter. Sobald ein Autor sagt, was der nächste Abschnitt behandeln wird, ist die Verzögerung weg, die den Zug erzeugt, denn der Leser hat die Karte in der Hand und muss sie nicht mehr wollen. McPhee bereitet den Leser vor, statt ihn zu warnen. Ein Wort oder ein Bild vom Ende eines Teils taucht im ersten Satz des nächsten wieder auf, leicht gedreht, und der Übergang wirkt wie ein eigener Gedanke des Lesers. Klinkenborg nennt die Alternative Logik-Anzeiger: das „jedoch“ und das „darüber hinaus“, die eine Logik behaupten, die die Sätze nicht erarbeitet haben. Streich sie und sieh nach, ob die Wendung trotzdem trägt.

Bücher

Entdecke John McPhees Bücher und die Geschichten, die Stil und Stimme geprägt haben.
  • Annals of the Former World

    Annals of the Former World

Häufig gestellte Fragen

Häufige Fragen zu John McPhees Schreibstil und Techniken.
Wie hat John McPhee einen Text strukturiert, bevor er ihn schrieb?
Zuerst das Material, dann die Form. Er tippt die Notizen einer Recherchereise ab, druckt sie, schneidet den Ausdruck in Streifen und legt jeden Streifen in den Ordner des Bestandteils, zu dem er gehört. Ein Buch über Geologie liegt danach als Stapel beschrifteter Teile auf dem Tisch, nicht als Chronologie. Erst jetzt entscheidet er über die Abfolge, und zwar auf Papier, als Zeichnung. Ein Kollege in Princeton hat ihm später ein Makro für den Texteditor geschrieben, das den Sortierschritt übernimmt. Gezeichnet wird weiter von Hand. Die Zeichnung legt fest, in welcher Reihenfolge die Fragen des Lesers auftauchen, und genau das kann kein Einstieg und kein schöner Satz später noch reparieren.
Was unterscheidet McPhees Einstieg von einem Aufhänger?
Der Einstieg ist bei ihm eine bauliche Entscheidung, keine Werbemaßnahme. Er muss zu dem Text passen, den er eröffnet, was die effektvolle Szene ohne Bezug zum Rest ausschließt, und er muss in das Material hineinzeigen statt darüber zu liegen wie eine Schlagzeile. Deshalb sind seine Anfänge oft klein und konkret. Jemand arbeitet. Eine Messung wird genommen. Eine Maschine wird gleich angeworfen. Der Leser steht in der Situation, bevor er erfährt, wozu sie gut ist, und der erklärende Satz wird drei, vier Seiten zurückgehalten, sodass er später als Antwort ankommt und nicht als Ankündigung.
Woran erkennt McPhee, welches Detail bleiben darf?
Ein Detail verdient seinen Platz, wenn es ein Argument trägt, das der Satz sonst behaupten müsste. In „The Control of Nature“ füllt sich ein Haus in den Hügeln über Los Angeles mit Schlamm und Geröll, während die Familie auf die Möbel steigt, und diese Passage leistet mehr als ein Absatz über Schuttströme, weil sich der Strom an einer Zimmertür messen lässt. James Wood nennt die Kraft solcher Details „thisness“: so konkret, dass die Abstraktion daneben stirbt. Bei McPhee kommt eine Verschärfung dazu. Der Gegenstand soll technisch sein und anschaulich zugleich, weshalb die Straßeneinschnitte entlang der Interstate 80 in „Basin and Range“ Kulisse und Beweisstück in einem sind.
Wie verhindert McPhee, dass ein langer Fachtext ermüdet?
Er wechselt den Modus, bevor der Leser vom aktuellen genug hat. Eine Erklärstrecke läuft, bis sie die Frage der vorherigen Szene beantwortet hat, dann arbeitet wieder jemand, an einem Ort, bei einem bestimmten Wetter, mit bestimmtem Gerät. Der Wechsel ist ein Zeitplan für Aufmerksamkeit. Sieh dir die Nahtstellen in „Coming into the Country“ an: Das letzte Bild eines Abschnitts taucht im ersten Satz des nächsten wieder auf, um eine Vierteldrehung verschoben, sodass der Leser hinübergeht, ohne die Lücke zu bemerken. Die Regel dahinter kostet wenig. Mach aus Zusammenfassung Szene, wo das Material es hergibt, und kürze, was sich weigert.
Kann man die Methode lernen, ohne wie er zu klingen?
Ja, denn die Methode steckt nicht in den Sätzen. Zwei Autoren können dasselbe Material in dieselbe Ordnung bringen und dabei völlig verschieden klingen, weshalb sich das Sortieren und das Anordnen lohnt und nicht der trockene Klang, den man zuerst hört. Wer eine Erklärung in Etappen auszahlt und eine Frage über das ganze Buch offen hält, arbeitet mit derselben Ressource. McPhee hält ein ganzes Buch in einer gezeichneten Form. Beides sind Entscheidungen über Reihenfolge, gefällt vor dem ersten Entwurf, und beide sieht man einem einzelnen Satz nicht an.
Wie bringt McPhee Menschen auf die Seite?
Indem er ihnen bei der Arbeit zusieht und dumm genug fragt, dass der Fachmann von vorn anfangen muss. Seine Leute haben fast immer ein Handwerk. Ein Kanubauer in „The Survival of the Bark Canoe“, ein Tankwagenfahrer in „Uncommon Carriers“, ein Bombenkonstrukteur in „The Curve of Binding Energy“, der sich Sorgen macht, wie leicht sich das Material stehlen ließe. Zitiert wird der Satz, der zeigt, wie jemand denkt, nicht der, der charmant klingt. Sol Stein rät Sachbuchautoren, einen einzigen ungewöhnlichen Zug zu finden und die Figur daran aufzuhängen. McPhees Fassung ist enger: Er sucht die Entscheidung, die jemand trifft, wenn die Möglichkeiten ausgehen, und deshalb erklären seine Porträts das Thema gleich mit.

Bereit, deinen Entwurf gezielt zu verbessern?

Öffne Draftly, hol deinen Entwurf rein und komm vom Festfahren zu einem stärkeren Entwurf - ohne deine Stimme zu verlieren. Lektoren stehen bereit, wenn du Tiefgang willst.

Kostenloses Startguthaben inklusive. Keine Kreditkarte nötig.